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Leroy, la reine du détournement
Leroy, Königin der Verfremdung
„Traiter la banalité en scoop. Le ticket chic et choc: le choc de Match le plus du Bauhaus. Photographier un mariage comme une rafle et, à l’inverse, une manif comme un portrait de famille. (...) Disons que cette démarche a surpris il y a trente ans. Elle n’etait pas à la mode. Aujourd’hui non plus.“
William Klein
Die belgische Modedesignerin Véronique Leroy arbeitet genau im Sinne des amerikanischen Fotografen William Klein, der eine Serie für ein Boulevardmagazin auf das Niveau einer Kunstfotografie erhebt, „eine Hochzeit wie ein Strassengerange“ fotografiert „und umgekehrt, eine Demonstration wie ein Familienporträt“. Goldecken – Metalldetails, die sonst silbern mit Halbedelsteinintarsien die Hemdkragen texanischer Cowboys zieren, findet man bei VL dezent an schwarzen Röcken und Mänteln aus Wollseidenallianz wieder.
An die Seitenschlitze montiert, werden sie hier zu diskret blinkenden Details einer eleganten Silhouette der Winterkollektion von 1995. Details, von Leggings bis zu Schulterpolstern, die falsch kombiniert zum Verhängnis werden können, belebt VL durch Schnittkunst en exakte Verarbeitung stilvoll wieder. Wie der bekannte Modefotograf William Klein ist die Designerin eine Meisterin der Verfremdung. Kitsch wird edel verarbeitet, die Insignien des populären Geschmacks machen bei ihren Kreationen die Raffinesse der individuellen eleganten Silhouette aus.
So ist bei VL Leopard nicht gleich Leopard. Der ganze Kopf des Tieres ziert im Sommer 1995 den Rücken der Westen im Motorradstil der Sommerkollektion und verliert sich im Allover des Stoffes. Den Wildlook gibt es in mehreren Farbkombinationen. Großflächige Violett/Orange/Schwarz-Kontraste oder Neongelb/Ocker/Schwarz-Abstufungen balancieren den sonst allzu animalischen Touch solcher Muster aus. Frau ist ja kein Tier. Die Kollektion jenes Sommers zeigt noch mehr von dem schon ausgeprägten sehr eigenen Stil der Designerin. Mit gekrepptem fünfziger Jahre Zopf, dunklen Lippen und mit Lidstrich betonten Augen stolziert das italienische Starmodel Carla Bruni über den Laufsteg. Sie trägt ein Ensemble aus fliederfarbenem mit Ski abgesetztem Frotteestoff, Mikrorock mit Cardigan, mit goldenen Details und Reißverschluss. Die Kombination mit einer hauchzarten neongrünen Bluse, an der Knopfleiste gerafft und bis zum letzten Goldknopf geschlossen, einem dünnen Goldgürtel und lila Strumphosen geben den Models eine übernatürliche comichafte Erscheinung zwischen Rock Attitude und Eleganz, zwischen Saint Denis und Saint Honoré: weder das too much der Prostituierten noch das Gewöhnliche des geschmacklosen High-Society Monsters. VLs Garderobe erkennt jeder als etwas Besonderes. Ihre Stücke sind wirklich Werke der Mode- und Schnittkunst. Sie überleben mindestens zwanzig Saisons, man hat nie genug davon. Denn eigentlich bleibt nur noch ein winziger Rest des mauvais goût übrig. Kunstfell, Kunstleder, Leopardendruck und neonfarbener Glitzerjersey sind von außerordentlicher Qualitität und unterliegen einer sorgfältigen künstlerischen Verarbeitung. Fast alles ist unterfüttert, aus Jersey und Strick gearbeitete Stücke sitzen perfekt und behalten ihre ursprüngliche Form. Egal wie kreischend die Farben, wie tief die Rockschlitze, wie gewagt die oft goldenen Accessoires, es fehlt nie an Eleganz. Jegliches Extrem wird durch dandyhafte Elemente wie schmale Schals, Rollkragen, edle Stoffe und vor allem durch eine unglaubliche Perfektion bis ins kleinste Detail ausgebügelt. In fast jeder Kollektion werden so klassische zeitlose Formen, wie z.B. der Trenchcoat, neu interpretiert oder in ihre Schlüsselelemente zerlegt, die dann andere Kleidungstücke verfremden und veredeln.
Die Schnittkunst spielt hier eine herausragende Rolle. Nimmt man die Kreationen von VL mal unter die Lupe, dann begreift man, warum alles so perfekt sitzt. Die typischen Brustnähte findet man auch an den körperbetontesten Blazer nicht, sie sind in der Seitennaht verschwunden. Oft gehen Ärmel und Schulterpartie nahtlos ineinander über. Durch geschickte fast unsichtbare Abnäher schmiegen sich die sonst weiten Raglanärmel an den Körper an, und die Schulter wird gleichzeitig noch betont, ohne ausgestopft zu wirken. Schulterpolster sind auch manchmal Thema und werden besonders in Szene gesetzt. Im Sommer 1995 blitzten sie am Armloch von Westen hervor, fügen sich jedoch durch einen Überzug im gleichen Stoff mimetisch in das Kleidungsstück ein. Manche Stücke lassen an Skulpturen denken, jedoch im Sinne von Schnittkunst, fern ab von jeglicher konzeptuellen Inspiration. VL entwirft ihre Mode nicht fürs Museum. Man trägt sie, aber sie ist ebenso ein Ausdruck des Zeitgeistes. Wenn auch Kunst nie ein Ausgangspunkt für VLs Kollektionen gewesen ist, geht sie wie eine Künstlerin vor, indem sie die Methode der Verfremdung anwendet. Man muss nur an den Pioneer auf diesem Gebiet in der Kunst denken, Marcel Duchamp, der die gesamte Kunstwelt auf den Kopf stellte, indem er Objekte des täglichen Lebens in einen musealen Kontext brachte und sie so zum Kunstwerk erhob. Während Duchamp jedoch so die Idee des Kunstwerks gegenüber dem savoir faire in den Vordergrund brachte und insofern den Begriff des künstlerischen Talents in Frage stellte, steht bei VL jenes Können wieder im Vordergrund. Wenn sie auch Methoden der Kunst anwendet und auf diese Weise wie Duchamp durch Provokation Aufsehen erregt, spielt die Schnittkunst in der Mode neben der Idee eine herausragende Rolle.
VLs Schnitte, ihre Volumen, sind selten im Einklang mit dem Rest der Modewelt. Sie ist immer einen Schritt voraus. Schon lange (noch vor den Shorts von Chanel im vorletzten Sommer) gibt es bei ihr wieder die hohe Taille, aber die hat nichts von der das Gesäß verlängernden nur selten figurfreundlichen Form der achtziger Jahre. Zu Zeiten des absoluten Diktats der Hüfthosen bietet VLs Modelle oft gleichzeitig die Möglichkeit der hohen Taille: entweder zum hoch- und runterklappen, dank seitlicher Reißverschlüsse, oder wie ein Korsett an weite Hosen, Jacken oder Röcke angeknöpft, formt sie eine schlanke Silhouette. Auch den XL-Look der Achtziger lies VL schnell wieder aufleben. Mit sehr originellen Ledergürteln werden die Stoffbahnen lässig um den Körper drapiert und die weibliche Formen so dennoch betont. Extraweite Stücke kontrastieren mit Mikroshorts und können mit Reißverschlüssen akkordeonartig zusammengezogen oder aufgeplustert werden. Zudem hat VL auch alle möglichen Variationen des Beinkleides zwischen Hose und Rock erforscht: Ballonshorts, Hosenröcke, Kniebundhosen, wie auch Bermudas, die gerade wieder groß im Kommen sind, standen bei VL of im Vordergrund.
Eines der Merkmale der VL-Linie waren auch lange Zeit die originellen von der Designerin selbst entworfenen Drucke. Sie orientierte sich dafür an Vorlagen alter Stoffe und findet immer erstaunlichen Farbkombinationen. Dabei interessiert sie sich auch immer für das „Darunter“: interessante Drucke vereinnahmen auch schon mal die an Rock oder Kleid angenähten Bodys. So gewährt das Stück in allen Positionen des Alltags nicht nur einen perfekten Sitz, sondern auch nie ungewollten Einblick. Eine Kollektion beginnt meist mit einem Stück Stoff aus VLs „Wünderkiste“, Inspiration, von der aus sie sich dann langsam vorarbeitet. Ein Archiv besitzt sie nicht, und Referenzen wie Filme, Romane, Musik oder Bilder kommen erst ganz zuletzt ins Spiel. So fällt ihr dann irgendwann auf, dass Rodeothema und seidigblumiger Kalifornientouch des Winters 97/98 eigentlich die Atmosphäre von Mobiles widerspiegeln, einem kurz zuvor gelesenen Roman von Michel Butor. Tatsächlich werden in der Show im dreistöckigen Jugendstilpalast Salle Wagram die Bekleidungsstile verschiedener in Amerika lebender Völkerstämme vorgeführt: Puertoricanerinnen in dezenten zweifarbigen Chevronröcken gekoppelt mit schwarzgrundigem Multicolorstrick, Chinesinnen in weißen Seidenensembles mit großzügigem gelb/beigen oder lachs/beigen Paisleydruck und dazu himbeerroten oder jadegrünen leicht wattierten Jacken, Indianerinnen in Wickelröcken und Strick im Fransenlook und schließlich eine Anspielung auf den Süden der Vereinigten Staaten mit Jacken aus plastifiziertem Tweed mit weißem Skai-Hosen und Tops. Die belgische Sängerin Axel Red, VLs Busenfreundin und einer ihrer ersten großen Fans, übernahm sofort den Westerntrend und kombinierte in ihrem Video eines dieser vorne angekrausten Oberteile mit einem Cowboyhut.
Schon im vorausgehenden Sommer erinnerten die hellsommerlichen Kostüme aus knappen nach hinten ausgestellten Röcken und skulpturalen kurzen Jacken an kecke Cowgirls. Aber statt Lederband über dem sonst tiefen Einblick gewährenden Hemdausschnitt der wirklichen texanischen Tierhüterinnen, werden die poppigen Seidenblusen darunter mit einer Krawatte zusammengehalten. Die Röcke – welche bei VL die Jeans des eigentlichen Cowgirls ersetzen – sind, mit den kurzen Cowboystiefeletten kombiniert, schon aufreizend genug. VL ist eben eine Meisterin der Verfremdung, das zeigte sie gerade wieder mit ihrer letzten Show, die mit adretten Spitzenkleidern eine ungewohnt feierliche Inspiration zu verraten schien.
Beim Anblick der monochrom gehaltenen Roben in gedeckten Tönen, aus taubenblau, rosé, schwarz oder weiß besticktem Seidenstoff, kamen so manchem straßenfähig gemachte Kommunions- oder Hochzeitskleider in den Sinn. Alle Elemente solcher sonst nur einmal dienenden Festroben wurden wieder einmal sorgfältig zerlegt und dann modern aufbereitet: zartes Plissée findet man an sexy Ballonshorts und Tops statt an langweiligen Röcken wieder oder es verleiht dem gesamten Kleid eine Art Origami-Look, welcher wiederum mit kurzen offen darüber getragenen Westen und Überhängen aus Metalplättchen – mehr Schmuck als Kleidung – aufgelockert wird. Knappe extrem hoch taillierte Shorts, ein Hybrid zwischen Hose und Korsage, werden durch einen extra-breiten Gürtel und Organzablusen in Capeform aktualisiert, halsbrecherische mit einem Transparentriemen gehaltenen Plateausandalen ersetzen die zum Retro-Look sonst typischen Ballerinas oder Salomés. Sie garantieren einen gewisse Modernität und vermeiden ein Abdriften ins Theatralische, wie das bei so manch anderem Designer passiert. Ein zweites Thema aus dichtem Leinen mit luftigem Lochmuster einlang der Schnittstellen ergänzt und durchbricht in seiner schlichten Eleganz den verspielten Look der Kollektion.
Im Rahmen der Inszenierung einer Modenshow muss alles bis aufs kleinste Detail stimmen, bis hin zu den Einladungskarten, wofür VL schon oft bekannte Fotografen hinzuzog. Das holländische Duo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin gestaltete die Karten für die Winter 95/96 und 96/97. Der deutsche Fotograf Horst Diekgerdes inszenierte die Einladung für die Winterkollektion 93/94. Sie wird von Tante Denise angekündigt, die adrett auf einem Sofa vor einem knallorangen Hintergrund posiert in Gesellschaft von der ehemaligen Muse und Langzeitmitarbeiterin Valerie. Letzte bekommt in einer Fernsehreportage über VL für den Modekanal Paris Première vor laufenden Kameras eine Silikonbrust verpasst. Auf Valeries Idealhinterteil werden damals schon die unglaublich gut sitzenden Leroyhosen angepasst, aber für den Geschmack der Herrscherin des Unternehmens fehlt es ihrer zweiten Hand an Oberweite. VL hat Charakter. In der familiären Atmosphäre von Leroys Appartement in der dörflichen Gegend des Quartier Saint Blaise schufen bis Mitte der Neunziger im militärischen Rhythmus drei ständige Mitarbeiter. Die Meisterin ist streng und genau.
Mit Mugler, Montana und Alaia ist die Konkurenz groß, aber deren Starmodels laufen längst auch für sie. Als Vergütung gibt es einige Stücke aus der begehrten Kollektion. Kurz vor den Schauen, wenn man schon Tag und Nacht im Einsatz ist, reist dann aus VLs Heimat Belgien eine Spezialtruppe an : Mutter, Großmutter und Schwester. Pudel Johnny und dann auch Königspudel Daval bewachen die Entstehung jeder Kollektion.
Für VL, die schon in jungen Jahren eifrig strickte und häkelte, war der Beruf eine wirkliche Berufung („J’ai dû commencer vers cinq ans, même avant de pouvoir parler.“). Als sie Mitte der Achtziger nach Paris kam, wusste sie noch keinen Unterschied zwischen Schnitttechnik und Modedesign zu machen und entschied sich zuerst einmal für eine technische Ausbildung am Insitut Paris Modélisme. „Das modernste Mädchen dort“ hatte zuvor die legendäre Pariser Modeschule Bercot besucht, und so kam VL unter die Fittiche von Marie Rucki. In dieser „Schule ihrer Träume“, fernab von jeglichen Systemen, die ihr schon immer zuwider waren, schulte sie dann noch ihr kreatives Talent. Als Assistentin erlangte sie dann bei Azzedine Alaia, wo sie bis 1990 blieb. Perfektion. Rückblickend hat der Stardesigner, der in de Achtzigern mit hautengen gemusterten Strickkleidern und Catsuits Aufsehen erregte, sie eindeutig am meisten geprägt („il m’a marqué par sa détermination“).
Im Dezember 1990 ruft sie dann ihr eigenes Unternehmen ins Leben. Schon mit ihren ersten Kollektionen, die sie in einem der typischen Pariser Kellergewölbe und dann im Musée des Automates präsentiert, beweist sie ihr Können. Details, die später zu ihrem Merkmal werden, zeichnen schon damals den VL-Stil aus: eine Weiderbelebung des populären Geschmacks, wodurch la Reine Leroy schließlich berühmt wird, was aber auch so mancher missversteht.
Auf ihre markanteste Kollektion angesprochen, erinnert VL sofort an ihre erste Präsentation im damals neuen Kongresszentrum unter den Tuilerien im Winter 95/96. Nicht nur, weil es eine ihrer bevorzugten war, sondern weil sie von der Presse völlig verworfen wurde. Zum ersten Mal findet ihre Show damals im mondänen Rahmen des Louvre statt. Auch wenn seit Martin Margiela, der Anfang der Neunziger mit einer Show auf einem Terrain Vague Furore machte, die Magie eines ungewöhnlichen Ortes eher positiv reflektiert wird, garantiert der Louvre doch immer ein gewisses Prestige und vor allem Pressepräsenz. So drängt sich bei VL eine Schar von Journalisten um das Podium, darunter wichtige Magazine wie die italienische und die amerikanische Vogue. Zu der Filmmusik von „Blade Runner“ defilieren Stars wie Naomi Campbell und Linda Evangelista „als Zebras“ in Catsuits oder in figurbetonten, am vorne durchgängigen Reißverschluss gerafften Alcantara-Kleidern, kombiniert mit voluminösen Kunstfelljacken oder –ärmeln. VL setzt wie so oft auf Kontrast, kombiniert glatt mit haarig, glänzend mit matt. Skai, butterweich oder mit Schlangenrelief, gibt unter den Materialien den Ton an: an Strickjacken dezent abgesetzt oder im Totallook. Auf bauschige ultramarinblaue Angorastrickkleider und –pullover hat VL sparsam tiefschwarze – an die „Superman-Ästhetik“ errinernde – Motive aus Lackstoff appliziert. Mit dem dritten Thema, einem klarer Rückgriff auf die von der Designerin immer wieder zelebrierten Achtziger, übertritt sie die Schwelle des politisch Korrekten: Kostüme oder Kleider in Schlangenskai mit Puffärmeln, ein Barmaidllook aus Satinblusen mit rot-schwarzen und blauschwarzen Blockstreifen von unglaublicher Eleganz. Man darf allerdings nicht vergessen, es regiert noch allgemein das Modediktat der Neunziger: schwarz, minimalistisch pur und konzeptuell. Gegenüber dem, was eigentlich damals „sehr fortschrittlich war und der Mode einen neuen Anstoß gab“, herrschte allgemeines Un- oder komplettes Missverständnis. VL erinnert sich noch an den Fotografen Steven Meisel, der glaubte, im falschen Film zu sein und schockiert ihre Pressefrau fragte, wie „so etwas“ nur zustande kommen könnte („Steven Meisel, il a halluciné.“). Aufgrund ihres vorherigen Erfolges bekam sie die harte Kritik jedoch nur unterschwellig zu spüren. Trotz dieses allgemeinen Unverständnisses wurden die meisten Ideen jedoch unverblümt von anderen wieder aufgenommen („Et là, on crie au génie“). Ein Designer, ein gewisser A McQ, scheute sich nicht einmal, knappe zwei Jahre später gesamte Themen direkt zu übernehmen und wurde dafür auch noch gefeiert. Immer wieder wurden Ideen VLs von Anderen direkt übernommen und geschickt in die eigene Kollektion integriert, und das durchaus schon mal in der folgenden Saisons. So findet man die an der Knopfleiste angekrausten Blusen und Kleider, die Arm- und Beinstulpen, die durch Lagenlook salonfähig gemachten Leggings, sommerliche Ponchos mit Camarguaises, die hohe Taille zum abtrennen oder umkrempeln, die schlichten Plateausandalen mit transparenten Riemen, die beidseitig zu öffnenden Reißverschlüsse und vieles mehr, Jahre später in anderen Kollektionen wieder.
Neben Designern, die sich wie John Galliano, Alexander Mc Queen oder auch Jean-Paul Gaultier in Szene zu setzen wissen, gibt sich VL hinter der Fassade eines eingeschüchterten Schulmädchens eher unauffällig. Dabei unterhält sie genau wie die drei eben genannten Herren eine Posten in einem der legendären Pariser Modehäuser. Seit einigen Jahren ist VL Chef-Designerin bei Leonard, ein Prestigejob, der ihr finanziellen Auftrieb für die Realisation ihrer eigenen Kollektion gibt. Nur Selbstinszenierung ist eben nicht ihre Sache. Doch in ihrem Atelier zeigt Madame ihre wirkliche Persönlichkeit und bei den Schauen dann ihr Talent. Das einzige, was ihr vielleicht fehlte, um sichtbarer zu sein, war eine eigene Boutique. Diesen Traum hat sie jetzt erfüllt, unweit von der ersten Boutique von Coco Chanel, in einer Seitenstrasse der Rue Saint Honoré. Für die Innenausstattung nach eigenen Vorlagen ließ sie sich von eine „sinnliche Atmosphäre schaffen“, einen Ort zum Wohlfühlen, und sich damit vor allem von den Konzeptstores anderer Modehäuser unterscheiden („Pas de concept pour le concept, pas de concept très précis“). Die Raumgestaltung wurde wie eine Kollektion in Angriff genommen. Die Dekoration sollte „sehr glänzend und monochrom sein, aber nicht schwarz, nur mit einem dezenten farbigen Hintergrund“. Sehr schnell entschied sie sich für die Farbe Braun, die sehr genau ihren Kosmos widerspiegelt. Auch wenn VL wie immer nicht bewusst nach Inspirationen gesucht hat, so ist ihr doch später aufgefallen, dass es hier einen Bezug zu den Filmen von Dario Argento gibt.
Christina Tschech
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